Jessica S. Olson: Spiel des Lügners. Fischer Sauerländer GmbH, Frankfurt am Main 2026
Ein faszinierendes Setting trifft auf ein außergewöhnliches Magiekonzept!
Das Buch Spiel des Lügners zieht Leser:innen von der ersten Seite an in eine Welt voller Täuschung, Strategie und psychologischer Spannung. Im Mittelpunkt steht nicht nur das Spiel selbst, sondern auch die Frage, wie weit Menschen gehen, um zu gewinnen – und was Wahrheit in einer Umgebung bedeutet, in der Lügen zur wichtigsten Währung werden. Es gelingt der Autorin, ihre Leser:innen sowohl zu unterhalten als auch zum Nachdenken anzuregen. Setting, Handlung und Figuren überzeugen, wobei ich mir für den zweiten Teil mehr Worldbuilding für ein besseres Verständnis der Magie, ihres Ursprungs und der dadurch entstandenen Welt erhoffe.
„Zu behaupten, man habe nie jemandem weh getan – nur weil man sich weigert, den Schmerz zu sehen–, gehört zu den beliebtesten Selbsttäuschungen der Menschheit.“ (Jessica S. Olson: Spiel des Lügners. Seite 140)
Die Autorin
Jessica S. Olson lebt mit ihrer Familie in Texas. Ihre Bücher wurden vielfach in der Presse gelobt und in mehrere Sprachen übersetzt. Ihrer Freizeit verbringt sie mit dem Sport an Luftringen. Spiel des Lügners ist der erste Band ihrer neuesten Dilogie und erschien 2025 im Original, 2026 in deutscher Übersetzung.

Inhalt
Lola St. James will das magische Turnier im Casino des Lügners gewinnen, um an ein mächtiges Artefakt für ihren besten Freund zu kommen. Ihr Wetteinsatz für das Spiel des Lügners ist ein tödliches Geheimnis: Sie ist die totgeglaubte Tochter eines Gangsters, die um ihr Leben bangen muss, sollte man sie erkennen und gefangen nehmen. Im Casino erwarten sie jedoch nicht nur Zauber und Intrigen, sondern auch die gefährliche Anziehungskraft seines Besitzers. Es wird immer schwerer, Wahrheit von Lügen zu trennen und sich dabei selbst nicht zu verlieren.
Gedanken zur Fantasy-Romance
Das Cover ist düster und gleichzeitig durch die goldenen Akzente leuchtend. Außerdem verrät es einige Details aus der Handlung wie die magischen Würfel, das Setting des Casinos und den Lügner im Hintergrund. Die Protagonistin wirkt sehr sympathisch und mit ihrer Brille auch mal ganz ungewöhnlich. Ich kann mich nicht dran erinnern, wann ich zuletzt eine Brille tragende Frau auf einem Cover gesehen habe. Spannend ist auch die deutliche Ähnlichkeit zur Autorin des Buches selbst. Auch der Farbschnitt ist mal etwas anderes, als man sonst so oft sieht. Wir bekommen hier einen Eindruck vom Prunk des Casinos und seinen Stellenwert.
Das Buch hat mich vor allem mit seinem frischen Plot und dem ungewöhnlichen – dabei aber noch deutlich ausbaufähigen – Worldbuilding überzeugt. Die Idee eines magischen Casinos, in dem Wahrheit, Lüge und Macht miteinander verwoben sind, fühlt sich neu an und sorgt für eine durchgehend spannende, oft rätselhafte Atmosphäre.
„Der traurige Tanz des Lügners will mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Sein Gesichtsausdruck. Sein Schmerz. Woher kommt diese Qual? Wonach sehnt sich ein Mann wie er so verzweifelt?“ (Jessica S. Olson: Spiel des Lügners. Seite 229)
Besonders gelungen sind die Figuren: Sie sind vielschichtig, entwickeln sich im Laufe der Geschichte weiter und bleiben dabei angenehm undurchsichtig. Gerade diese Unsicherheit – wem man trauen kann und wem nicht – hält die Spannung konstant hoch. Die Dynamiken zwischen den Charakteren sind komplex und regen immer wieder zum Mitdenken an. Lola ist eine starke, junge Frau, die nun im Casino auf sich allein gestellt erst erfahren kann, wie unabhängig sie sein kann und sein will. Ihre Entwicklung ist enorm. Während Enzo eher mürrisch und übergriffig ist und seinem eigenen Wohl hinterherjagt (was auch durchaus verständlich ist) ist Nic als Casinobesitzer zunächst unnahbar, lässt Lola aber immer mehr hinter seine Maske blicken.
Die Handlung ist dabei bewusst verworren, aber im positiven Sinne: Man stellt als Leser:in ständig Theorien auf, zweifelt und verwirft sie wieder. Gleichzeitig hätte ich mir stellenweise etwas mehr Hintergrundwissen gewünscht, etwa zur Entstehung der Welt und den Regeln des Spiels sowie der Magie, die noch nicht vollständig greifbar sind.
„Wenn sie sich ihr ganzes Leben vor den Monstern verstecken, die sie in der Dunkelheit vermuten, werden sie niemals die Sterne sehen.“ (Jessica S. Olson: Spiel des Lügners. Seite 411)
Der Schreibstil sorgt besonders im letzten Teil für ein hohes Tempo, das in einem packenden Finale mündet und definitiv Lust auf die Fortsetzung macht. Ein kleiner Kritikpunkt ist jedoch die auffällige Anzahl an Fehlern im Text, die den Lesefluss gelegentlich gestört haben.
Fazit
Spiel des Lügners ist ein origineller, spannender Auftakt mit starken Ideen, interessanten Figuren und viel Raum für weitere Entwicklungen – ich bin auf jeden Fall neugierig, wie es weitergeht. Nach langer Zeit also endlich mal wieder ein Buch, was mich mitreißen und überzeugen konnte.
Jessica S. Olson
Spiel des Lügners
480 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-7373-7404-0
*Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.*
