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Joana Osman: Frieden – Eine reale Utopie. Penguin Verlag, München 2025

Frieden könnte so leicht zu erreichen sein!

Joana Osmans Buch Frieden – Eine reale Utopie fiel mir auf der vergangenen Frankfurter Buchmesse in die Hände. In Zeiten von Unruhe und so vielen Kriegen weltweit ein wichtiges Werk. Das Buch sollten besonders Machthabende in die Hand nehmen. Aber auch wir auf bürgerlicher Ebene haben Möglichkeiten, für ein liebevolles Miteinander und ein Verständnis untereinander einzustehen. Und all das ohne Waffen, ohne Tote, sondern einfach mit unseren Lebensgeschichten.

„Dehumanisierung beginnt mit Worten und endet mit Toten. Es ist Dehumanisierung, die Menschen dazu befähigt, zu töten.“ (Joana Osman: Frieden – Eine reale Utopie. Seite 66)

Die Autorin

Joana Osman (geboren 1982) wuchs als Tochter eines palästinensischen Vaters und einer deutschen Mutter auf. Sie studierte Amerikanistik, Theaterwissenschaft sowie Kunstgeschichte und war Mitbegründerin der Friedensbewegung »The Peace Factory« (2012). Sie debütierte 2019 mit ihrem Roman Am Boden des Himmels. Vier Jahre später veröffentlichte sie ihr Werk Wo die Geister tanzen, in dem sie über ihre palästinensische Familie schreibt und mit welchem sie eine große Medienresonanz erreichte. 2024 erhielt sie den Bayerischen Kunstförderpreis. Joana Osman arbeitet als Autorin, Dozentin sowie Storytelling-Coach. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

© Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH

Inhalt

„Weltweit geraten Gesellschaften aus dem Gleichgewicht – innerlich zerrissen durch Debatten über Schuld und Wahrheit. Doch was wäre, wenn wir die Kraft von Erzählungen neuentdecken würden – nicht als Waffen im Meinungskampf, sondern als Brücken zwischen Menschen? Joana Osman,Tochter eines palästinensischen Vaters, weiß um die Kraftvon Narrativen und zeigt, wie Geschichten nicht nur spalten,sondern auch verbinden können – als Grundlage einer neuen,radikal empathischen Welt. Osman reflektiert über ihre friedensaktivistische Arbeit undbringt das entscheidende Defizit auf den Punkt: Erst wenn wirbereit sind, die Perspektiven und Traumata der »anderen Seite«zu sehen, können wir einander wirklich begegnen. Ein interventionistischer Essay, der die Utopie Frieden neu denkt – und uns Hoffnung schenkt.“ (Produktbeschreibung)

Gedanken zum Ratgeber

Das Cover fängt die Idee der Utopie gut ein. Es werden verschiedene Vogelarten abgebildet, von denen einer an einem Stock angebunden ist. Das Wort „Frieden“ leuchtet in gelber Farbe entgegen. Mich hat das Buch sofort angezogen, weil ich wissen wollte, welche Idee dahinter steckt, wie sich Frieden in die Welt bringen ließe.

Joana Osman hat einen leicht verständlichen Schreibstil und trotz der schweren Thematik schafft sie es, positiv an die Sache heranzugehen. Die Kapitel werden jeweils mit tollen Zitaten bekannter und weniger bekannter Persönlichkeiten eingeläutet und geben einen konkreten Ausblick auf die folgenden Seiten. Die Autorin beschreibt, was wir im Kleinen tun können, dass wir uns vernetzen und somit uns kennenlernen können, Mauern einreißen, einen neuen Blickwinkel auf die sogenannten Feinde einnehmen. Storytelling ist dabei das zentrale Mittel. Denn nur, wenn wir einander verstehen, wenn wir unsere Geschichten kennen, können wir zu Freunden werden. Und wenn wir uns dagegen wehren, „die anderen“ als Feinde zu betrachten, verlieren die Machthaber ganz oben an Einfluss. Wir müssen uns von den Fäden der Marionettenspieler befreien, um Frieden zu erreichen.

„Die Polykrise ist nicht nur ein diffuses Gefühl; es ist tatsächlich so, dass wir derzeit eine ungewöhnlich gewalttätige und kriegerische Zeit erleben – nicht auf einzelne Länder und Krisenherde beschränkt, sondern global.“ (Joana Osman: Frieden – Eine reale Utopie. Seite 39)

Die Autorin schreibt über die Polykrise: Es kommen so viele verschiedenen Krisen zusammen und jetzt merken das eben auch die reichen Länder. Wenn irgendwo ein Sack Reis umfällt, gibt es eben doch Konsequenzen für uns alle. Sie erzählt vom Patriarchat, dem Drang immer mehr Macht zu haben und damit Kriege zu provozieren. Das Ganze funktioniert durch den Extraktivismus, dem Raubbau an Werten und der Verzerrung der Wahrheiten.

„In dem Moment, in dem man die Menschen auf der »anderen Seite« wirklich kennenlernt, löst sich das Feindbild auf.“ (Joana Osman: Frieden – Eine reale Utopie. Seite 68)

Joana Osman erzählt von der Entstehung und der Wirkung der »The Peace Factory«, einer Vereinigung, die für mehr Verständnis untereinander wirbt und dafür all jenen eine Bühne gibt, die unter den Kriegen und Zwistigkeiten leiden. Denn es gibt keine große Gruppe von bösen Menschen, sondern lediglich einzelne Täter die Dinge antreiben, Hass schüren, die Dehumanisierung forcieren.

„Beide Seiten haben also recht, wenn sie sagen, dass sie Opfer sind. Und beide Seiten haben recht, wenn sie sagen, dass auf der anderen Seite Täter stehen, die Menschenrechtsverletzungen begehen. Was aber in diesem Narrativ verschwiegen wird: dass auch das eigene Lager Verantwortung trägt – und dass auf der anderen Seite ebenso Menschen leiden.“ (Joana Osman: Frieden – Eine reale Utopie. Seite 70)

Durch einige Einschübe mit Erfahrungsberichten aus ihrer eigenen Vergangenheit aber auch von anderen Betroffenen, wird dieses Buch greifbar und zeigt auf Ebene der bürgerlichen Masse, dass auf beiden Seiten Opfer und Täter sind, je nachdem, wie man auf den Konflikt schaut.

Im Anhang finden sich einige Vorschläge zur weiterführende Literatur nach Themen sortiert und mit einer kurzen Einordnung versehen. Wer sich also weiter mit der Thematik auseinandersetzen will, kann hier aus den Vollen schöpfen.

Fazit

Joana Osman gelingt es mit ihrem Ratgeber Frieden – Eine reale Utopie Mut zu machen. Sie zeigt, wie man mit Storytelling zusammenfinden kann. Wie es möglich sein kann, Frieden herbeizuführen oder schon vorher den machhungrigen Großen ins Handwerk zu pfuschen und es gar nicht erst soweit kommen zu lassen. Die Botschaft ist klar: Lasst uns miteinander sprechen, lasst uns einander verstehen, lasst uns nachvollziehen, wie es dem Anderen in der Situation geht. Denn es ist doch so, dass keiner aus der Bevölkerung einen Krieg haben möchte. Der Krieg ist immer das Produkt der obersten Anführer, der Reichen und Machthabenden, die sich nicht mit dem zufrieden geben können, was sie sowieso schon besitzen.

Joana Osman
Frieden – Eine reale Utopie
Hardcover
128 Seiten
ISBN 978-3-328-60456-3

*Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.*

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