Jory John & Pete Oswald: Die coole Bohne. Adrian & Wimmelbuchverlag, Berlin 2022
Cool sein mit Herz
Manche Bilderbücher schaffen es, Kinder sofort zum Schmunzeln zu bringen – und Erwachsene gleichzeitig zum Nachdenken. Die coole Bohne von Jory John und Pete Oswald gehört genau in diese Kategorie. Wir kennen das Erfolgsduo bereits von anderen Titeln der Reihe, die wir auf unserem Blog schon vorgestellt haben – und bei uns zu Hause sind die Bücher längst echte Lieblingsbegleiter. Umso größer war die Freude, nun auch die Welt der coolen Bohne(n) zu entdecken und zu schauen, welche Botschaft dieses Geschichte bereithält.
Der Autor und der Illustrator
Jory John ist ein New York Times Bestsellerautor für Kinder- und Jugendbücher. Er schreibt außerdem auch Bücher für Erwachsene und hat mit seinen Werken zahlreiche staatliche Buchpreise in den USA gewonnen. Er hat für diverse namhafte Zeitungen und Online-Portale geschrieben und war für sechs Jahre Programmleiter für 826 Valencia, ein Nonprofit Schreib- und Bildungscenter, das von Dave Eggers – einem bekannten, amerikanischen Schriftsteller – gegründet wurde.
Pete Oswald ist ein New York Times Bestellerillustrator und mit dem Annie Award nominierter Motion Designer. Neben seiner Arbeit als Illustrator für Kinder- und Jugendbücher, ist er außerdem auch für die Filmreihe Angry Birds bekannt, sowie den Oscar®-nominierten Film ParaNorman. Er ist ein leidenschaftlicher Maler und somit auch im Bereich der Bildenden Kunst aktiv. In der Pop-up-Galerieausstellung Pacific Abstract stellte er eine Sammlung von Gemälden aus, die von der kalifornischen Küste inspiriert sind.

Inhalt
„Jeder kennt die coolen Bohnen. Sie sind sooooo cool. Und dann ist da die uncoole Bohne, die nicht dazu gehört… Immer an der Seitenlinie, versucht diese eine Bohne alles, um sich in die Gruppe einzufügen, doch ohne Erfolg – bis die coolen Bohnen ihr eines Tages zeigen, wie es gemacht wird.“ (Produktbeschreibung)
Gedanken zum Bilderbuch
Auf dem Cover begrüßt uns eine Bohne, die gleichzeitig freundlich und richtig pfiffig aussieht – mit großen Augen und einem schelmischen Gesichtsausdruck. Im Hintergrund erkennt man einen Schulhof, was darauf hindeutet, dass es hier um typische Alltagssituationen geht, die viele Kinder kennen: dazugehören, bewundert werden und den eigenen Platz in einer Gruppe finden. Insgesamt wirkt das Cover verspielt und humorvoll, sodass man direkt Lust bekommt, aufzuschlagen und loszulesen.
In der Geschichte geht es um die „coolen Bohnen“ in der Schule – Bohnen, die jeder kennt und bewundert. Früher gehörte unsere kleine Bohne noch ganz selbstverständlich dazu, doch mit der Zeit verändert sich etwas: Die anderen wirken immer lässiger und souveräner, während sie sich selbst zunehmend unbeholfen und uncool fühlt. Die innere Kritik wird lauter und das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören, immer stärker. Also versucht sie alles, um endlich auch wieder cool zu sein – doch nichts klappt so richtig und das Selbstvertrauen sinkt immer weiter. Besonders schön finde ich dabei, wie die Geschichte die Perspektive kippt: Als die kleine Bohne einen richtig miesen Tag erwischt, sind es ausgerechnet die „Coolen“, die helfen – ganz selbstverständlich und in verschiedenen Alltagssituationen. Der Wendepunkt zeigt eindrucksvoll, dass Coolness nichts mit Überheblichkeit zu tun hat. Durch die Unterstützung gewinnt die kleine Bohne neuen Mut und fühlt sich wieder als Teil der Gruppe. Dadurch entsteht ein starker Aha-Moment: Vielleicht bedeutet cool sein gar nicht, perfekt auszusehen oder bewundert zu werden – vielleicht ist es viel cooler, freundlich zu sein, anderen beizustehen und niemanden stehen zu lassen.

Was ich an dem Schreibstil des Autors mag (auch schon bei seinen anderen Büchern): Jory John erzählt die Geschichte mit viel Tempo, Witz und einem feinen Gespür für kindliche Gedanken. Die Sätze sind kurz und pointiert und wirken beim Vorlesen richtig lebendig. Besonders angenehm finde ich, dass der Ton nie belehrend wirkt, sondern warmherzig und augenzwinkernd bleibt – so nimmt das Buch Kinder ernst und vermittelt seine Botschaft ganz nebenbei, ohne dabei mit dem erhobenen Zeigefinger daherzukommen.
Und dann sind da natürlich die Illustrationen von Pete Oswald: farbenfroh, voller Energie und mit diesen typisch witzigen Details, die man oft erst beim zweiten oder dritten Durchblättern vollständig wahrnimmt. Die ausdrucksstarke Mimik der Bohnen, die kleinen Gags am Rand und die vielen liebevollen Mini-Anspielungen machen das Bilderbuch zu einem echten Hingucker. Besonders schön ist, dass die Bilder nicht nur die Handlung begleiten, sondern die Geschichte mit viel Humor erweitern. (Und ja: Die „Ray-Bean“-Spielerei ist herrlich und sorgt garantiert auch bei Vorlesenden für ein Grinsen.)
Fazit
Die coole Bohne ist ein warmherziges, sehr lustiges Bilderbuch ab 3 Jahren, das auf kindgerechte Weise zeigt, wie schnell man sich selbst kleinreden kann – und dass echte Coolness nichts mit Auftreten, sondern viel mit Herz zu tun hat. Für uns reiht sich der Band nahtlos in die großartige Reihe ein: stark erzählt, wunderbar illustriert und mit einer Botschaft, die im Kita- und Grundschulalltag absolut relevant ist. Ein echtes Wohlfühlbuch mit Mehrwert – und für uns gesellt sich damit ein weiterer starker Band/Buch zu unserer Lieblingsreihe.
Jory John und Pete Oswald
Die coole Bohne
40 Seiten
ab 3 Jahren
ISBN 978-3-9858507-6-1
*Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.*
