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Cora Wucherer: All die Farben, all das Licht. Klett-Cotta, Stuttgard 2026

Eine Familiengeschichte voller großer Gefühle, die von Verlust und Leben erzählt

Manchmal gibt es Geschichten, in die man ab der ersten Seite hineingeworfen wird – und die einen sofort ergreifen. Cora Wucherers Roman All die Farben, all das Licht ist genau so ein Buch. Es erzählt ein tief berührendes Familienschicksal voller Schwere, aber auch voll unaufdringlicher Leichtigkeit und Hoffnung.

„Martha ist wie das Meer, es geht ihr nicht darum zu gefallen. Für einen Moment wünsche ich mir, ich könnte so unbedarft sein wie sie und auch in diese schmutzige Brühe rennen.“ (Cora Wucherer: All die Farben, all das Licht. Seite 158)

Die Autorin

Cora Wucherer (geboren 1994 in Oberbayern) ist Journalistin beim ZEITmagazin. Sie studierte Anglistik, Kunst, Musik und Theater in München und absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Ihr Werk All die Farben, all das Licht ist ihr literarisches Debüt.

© Klett-Cotta Verlag

Inhalt

Die siebzehnjährige, künstlerisch begabte Juna droht durch eine seltene Krankheit ihr Augenlicht zu verlieren, wodurch ihr großer Traum von einer Karriere als Malerin einzustürzen droht. Ihre jüngere Schwester Martha leidet darunter, im Schatten ihrer Schwester zu stehen, erkämpft sich jedoch durch einen heimlichen Job erste eigene Freiheiten. Als sich Junas Sehkraft dramatisch verschlechtert, bricht Martha mit ihr zu einer Reise nach Malmö auf, um ein bedeutendes Kunstwerk zu sehen. Auf ihrem Weg nähern sich die entfremdeten Schwestern an und lernen, gemeinsam ihren Weg zu finden.

Gedanken zum Roman

Das Cover fügt sich wunderschön in die Stimmung des Buches ein. Es zeigt das mit Pinsel und Farben gemalte Porträt einer jungen Frau – vielleicht Juna, vielleicht Martha –, deren Blick etwas Trauriges und zugleich Angespanntes ausstrahlt. In der unteren linken Ecke fügt sich der Buchtitel farblich perfekt an die Augen des Porträts an, während direkt darunter der Name der Autorin zu finden ist. Eine rundum gelungene Gestaltung, die den Ton der Geschichte bereits optisch perfekt einfängt.

Im Zentrum der Handlung stehen zwei Geschwister, die sich in ihrer eigenen Familie verloren haben und jede auf ihre Weise um ihren Platz in der Welt kämpfen. Die siebzehnjährige Juna möchte leidenschaftlich gerne Malerin werden, verliert jedoch durch eine seltene Krankheit ihr Augenlicht. Sie ist zudem schwerhörig und hadert zutiefst mit ihren Einschränkungen. Und weil der Schmerz riesig ist, verschließt sie sich. Selbst mit ihren engsten Vertrauten spricht sie kaum über ihre Ängste und das Fortschreiten der Erkrankung. Gleichzeitig scheint in ihrem Umfeld niemand so recht zu wagen, genau hinzusehen oder nachzuhaken.

„Ich sitze in der Schneise ihrer Zerstörung.“ (Cora Wucherer: All die Farben, all das Licht. Seite 34)

Ganz anders ist ihre vier Jahre jüngere Schwester Martha, die im erdrückenden Schatten der kranken Juna aufwächst. Martha ist abenteuerlich, quirlig und für ihr Alter äußerst selbstständig – von einer natürlichen Selbstbewusstheit getragen, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Obwohl sie außer ihrem besten Freund Alex kaum soziale Kontakte hat, beweist sie enormen Einfallsreichtum: In den Ferien erschleicht sie sich einen Nebenjob im Kino, indem sie sich wegen des Alters schlicht als ihre Schwester ausgibt.

Während Juna Kontrolle und Sicherheit braucht und bei Stress regelrecht hilflos wirkt, begegnet Martha dem Leben mit einer packenden Unbedarftheit. Das Schweigen zieht sich jedoch durch das gesamte Familienleben: Der Vater arbeitet pausenlos, um über die Runden zu kommen, und verlor dabei den Bezug zu den Mädchen – besonders zu Martha, dem Mädchen das stets gesund und umkompliziert war. Über allem schwebt zudem der unaufgearbeitete Verlust der verstorbenen Mutter, deren Schmerz so tief sitzt, dass sie lieber totgeschwiegen wird.

„In meiner Familie sind wir große Fans vom Stillschweigen. Wenn man nicht über etwas redet, dann ist es auch nicht passiert.“ (Cora Wucherer: All die Farben, all das Licht. Seite 120)

Durch die abwechselnden Perspektiven erlebt man diese Dynamik hautnah. Als die Schwestern schließlich auf einen gemeinsamen Roadtrip aufbrechen, werden sie füreinander zur größten Herausforderung. Die Gegensätze prallen aufeinander, doch genau darin liegt die Chance, sich endlich wieder nahezukommen. Cora Wucherer erzählt diesen Weg ohne laute Töne. Die emotionalen Momente sind extrem nahbar, tiefgründig und vollkommen authentisch. Es gibt traurige Augenblicke, aber ebenso heitere Phasen. Auch wenn es kein klassisches Happy End gibt, bleibt eine wunderschöne, positive Aussicht zurück.

Fazit

All die Farben, all das Licht ist eine tiefgründige Geschichte über das Miteinander mit all seinen Schwierigkeiten, Höhen und Tiefen. Ein leises, aber kraftvolles Buch, das mich so tief berührt hat wie kaum ein anderes in diesem Jahr – und das mich tatsächlich zu Tränen gerührte. Es erinnerte mich auch an das Buch My Sisters Keeper (dt. Beim Leben meiner Tochter) Eine absolute Leseempfehlung!

Cora Wucherer
All die Farben, all das Licht
320 Seiten
ISBN 978-3-608-96704-3

*Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.*

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