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Laura Fröhlich: Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin. Kösel Verlag, München 2026


Ein Wegweiser aus der People-Pleaser-Falle – perfekt für Einsteigerinnen

Das Buch Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin von Laura Fröhlich widmet sich einprägsam der unsichtbaren Belastung von Frauen, die in der Gesellschaft oft als emotionale Feelgood-Managerinnen oder auch People-Pleaserinnen fungieren. Bereits das Cover setzt mit einer Retro-Frau mit erhobenem Mittelfinger ein starkes optisches Statement. Der Inhalt hält, was die Optik verspricht, wählt dabei jedoch einen ungewöhnlich sanften Ton.

„Wenn wir viel emotionale Arbeit für andere leisten, stellen wir unsere eigenen Gefühle zurück. Das kostet Kraft und kann zur Belastung führen, wenn es zu viel wird.“ (Laura Fröhlich: Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin. Seite 72)

Die Autorin

Laura Fröhlich ist Buchautorin, Mental-Load-Expertin und Beraterin in einer Kommunikationsagentur. Mit ihrem Blog Heute ist Musik, Vorträgen und Seminarangeboten richtet sie den Fokus auf die mentale Überlastung von Müttern. Die studierte Literaturwissenschaftlerin war nach ihrem Verlagsvolontariat jahrelang als freie Texterin, Journalistin und PR-Fachfrau tätig. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Süddeutschland.

© Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH / Kösel-Verlag

Inhalt

Frauen tragen meist die Hauptlast der emotionalen Arbeit. Das erstreckt sich vom Trösten und Vermitteln bis zum Aufrechterhalten der guten Stimmung und das nicht nur im engen Familienkreis, sondern auch weit darüber hinaus bis in die Arbeitswelt. Dieser ständige Einsatz für die Gefühle anderer führt oft zu tiefer Erschöpfung. Laura Fröhlich beleuchtet diese unsichtbare Belastung und zeigt, wie Frauen das People-Pleasing ausschalten können. Ein Buch über das Nein-Sagen, das Abgrenzen und das Überlassen von Verantwortung an diejenigen, die sie tragen sollten.

Gedanken zum Ratgeber

Das Buchcover setzt ein starkes visuelles Zeichen: Vor einem knalligen, signalgelben Hintergrund springt der Titel in großen, bunten Lettern sofort ins Auge. Der Look erinnert zunächst an eine nostalgische Werbewelt vergangener Zeiten – eine perfekt zurechtgemachte Frau deutet auf ein klassisches, überholtes Frauenbild hin. Dieser idyllische Schein wird jedoch sofort gebrochen: Mit ihrem erhobenen Mittelfinger macht die abgebildete Frau unmissverständlich klar, dass sie mit den bestehenden Verhältnissen keineswegs einverstanden ist. Durch das Zusammenspiel aus fröhlicher Farbigkeit und rebellischer Attitüde wirkt das Cover selbst wie ein Signal – bunt, laut und kompromisslos in seiner Ansage.

Das Buch ist hervorragend strukturiert und holt auch Personen ab, die sich bisher wenig mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Die Kapitel besitzen eine angenehme Länge, und die Autorin kommt größtenteils kurz und bündig auf den Punkt. Optisch wird der Text immer wieder durch pink hervorgehobene Zitate aufgelockert. Ein besonderes Highlight sind die liebevoll gestalteten Illustrationen: Sie zeigen Sammelkarten verschiedener Rollen wie der Kümmerin, Tochter, Männerversteherin oder Kollegin. Die Kategorien Glaubenssatz, Mindset und Superkraft wandeln sich im Laufe der Kapitel ins Positive. Aus den harten gesellschaftlichen Ansprüchen wird so Schritt für Schritt eine Haltung, die die Frau mit ihren eigenen Bedürfnissen in den Mittelpunkt rückt – ganz unabhängig von ihren Rollen.

„Für ihn ist es ein Fauxpas, für sie ein Zeichen, dass sie sich noch besser organisieren muss, weil sie sich am Ende nur auf sich selbst verlassen kann.“ (Laura Fröhlich: Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin. Seite 93)

Wer im Bereich Feminismus bereits belesen ist, trifft auf viele vertraute Begriffe wie Gender Gaps, Mental Load, Emotional Load oder Weaponized Incompetence. Laura Fröhlich schlüsselt auf, wie erlernte Verhaltensmuster – stets brav, nett und gut gelaunt zu sein – dazu führen, eigene Grenzen zu überschreiten. Die Folgen sind ständiges Grübeln, das Kleinmachen der eigenen Person, kalte Wut im Inneren und der Verlust des Gespürs für die eigenen Bedürfnisse.

„Indem wir schon von klein auf als sorgende und umgängliche Person erzogen werden und Jungs sich zeigen und präsentieren dürfen, nehmen sich auch später Männer den Raum, und Frauen machen ihn frei.“ (Laura Fröhlich: Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin. Seite 164)

Die Ursachen liegen zwar im Außen, doch die Autorin gibt greifbare Impulse für das eigene Handeln. Besonders gelungen ist der Ansatz von Empathie vs. Impathie: Neben dem Mitgefühl für andere ist es ebenso essenziell, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, um in der eigenen Kraft zu bleiben. Dabei verteufelt die Autorin People-Pleasing keineswegs, sondern zeigt verständnisvoll auf, wie der eigene Selbstschutz gelingen kann.

„Ich habe keine Lust mehr, das nette Mädchen zu sein. Ich bin eine Frau mit Selbstbewusstsein und Arbeitserfahrung und das darf sich auch in meiner Art, zu sprechen wiederfinden.“ (Laura Fröhlich: Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin. Seite 210)

Regelmäßige kleine Arbeitsanweisungen laden zum Innehalten ein und regen dazu an, das eigene Verhalten zu reflektieren und gegebenenfalls anzupassen. Das Buch verzichtet dabei komplett auf Vorwürfe oder Anklagen – weder gegenüber Frauen noch gegenüber Männern. Stattdessen beleuchtet Fröhlich die gesellschaftliche Sozialisation und zeigt auch auf, dass Männer durch traditionelle Rollenbilder eingeschränkt werden. Zudem wirkt es extrem sympathisch und ermutigend, dass die Autorin offen zeigt, dass auch ihr eigener Weg noch nicht vollendet ist und sie trotz ihres theoretischen Wissens weiterhin an sich arbeitet.

Fazit

Das Buch erfindet das Rad nicht neu – wer bereits tief in der feministischen Ratgeberliteratur steckt, wird hier wenig überraschende Erkenntnisse finden. Doch durch die leicht verschobene, weniger anklagende Perspektive und die sanfte Herangehensweise ist es ein wunderbarer, ermutigender Einstieg in das Thema gelungen. Eine klare Empfehlung für alle, die endlich mehr für sich selbst einstehen wollen.


Laura Fröhlich
Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin
240 Seiten
Klappenbroschur
ISBN 978-3-466-31241-2

*Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.*

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