BelletristikFantasyRoman

Vanessa Göcking: Ms Atkins und die Bibliothek der Träume. Vani Verlag, Waltershausen 2026

Tolle Ausstattung aber wenig Tiefgang in der Geschichte

Die Teilnahme an der Leserunde auf Lovelybooks begann bereits mit einer echten Überraschung, denn das Buch kam in einem extrem liebevoll gepackten Paket an. Neben dem Buch selbst lagen tolle Goodies wie ein Leseausweis, ein persönlicher Brief aus der Bibliothek der Träume, ein Lesezeichen, eine signierte Postkarte und sogar ein Traumtee bei. Leider konnte der Inhalt trotz der vielversprechenden Präsentation meine Erwartungen nicht wirklich erfüllen.

Die Autorin

Vanessa Göcking ist mehrfache Spiegel-Bestseller-Autorin sowie Gründerin des VANI Verlags. In ihrem Verlag gibt sie weiblichen Perspektiven eine Bühne. Ihre eigenen Bücher thematisieren Mut und Lebensfreude. Die Autorin hat eine Leidenschaft für Reisen, die Natur und Spaziergänge mit ihrem Labrador Henry. Auf Instagram nimmt sie ihre Leser:innen mit und zeigt ihnen ihren Alltag als Schriftstellerin und Verlegerin.

© VANI Verlag

Inhalt

In einer geheimnisvollen, magischen Bibliothek der Träume kreuzen sich die Wege von vier ganz unterschiedlichen Menschen. Angesichts ihrer persönlichen Lebenskrisen und schwerer Schicksalsschläge suchen sie an diesem Zufluchtsort nach Ablenkung und Antworten. Über die gemeinsamen Erlebnisse zwischen den Bücherregalen knüpfen sie ein Band der Freundschaft: Sie öffnen sich einander, spenden Trost und geben sich gegenseitig die Kraft, die Geister ihrer Vergangenheit und Gegenwart zu überwinden.

Gedanken zum Roman

Das Cover zeigt eine unfertig wirkende, magische Bibliothek, die in eine ferne Welt zu weisen scheint, sowie die titelgebende Protagonistin. Auch die weitere Ausstattung kann sich sehen lassen: Ein roter Farbschnitt, ein praktisches Lesebändchen und ein fest im Bund verklebtes Page-Overlay, das einen Blick in die magischen Traumkorridore gewährt, werten das Buch optisch auf. Unter dem Schutzumschlag verbirgt sich zudem eine detailreiche Darstellung des magischen Aufzugs auf der höchsten, 333. Etage in rot vor dunkelblauem Hintergrund. Man wird also Stück für Stück in die Bibliothek, den Aufzug, den Traumkorridor und schließlich die Träume geführt.

Leider kann der Schreibstil nicht mit der wunderschönen Optik mithalten. Über viele Seiten hinweg fiel mir der Einstieg schwer, da die Sprache durch extrem viele Vergleiche und Geruchsbeschreibungen schlicht zu gewollt bildhaft wirkt. Das Buch dümpelt zu lange im Dunkeln und der Fortgang der Handlung zieht sich schleppend dahin. Wäre es keine Leserunde gewesen, hätte ich den Roman wohl vorzeitig abgebrochen.

Die Charaktere – allen voran Ms Atkins – bekommen kaum Farbe durch eigenes Handeln, sondern fast ausschließlich durch meist langatmige Beschreibungen ihres Alltags. Es wird viel Umgebung beschrieben, während der eigentliche Antrieb der Figuren und ihre Vergangenheit auf den ersten hundert bist fast 200 Seiten nahezu völlig im Dunkeln bleiben. Auch erzählerische Kniffe, wie eine Episode aus zwei Perspektiven zu beleuchten, wirken zumeist unpassend bzw. ohne einen Zweck zu erfüllen. Zudem hat sich ein auffälliger inhaltlicher Fehler eingeschlichen, indem Alice hinter den Spiegeln fälschlicherweise mit Alice im Wunderland gleichgesetzt wird. Bei einem Buch, das von Literatur erzählt, für mich ein No-Go.

„Es waren Menschen mit zerbrechlichen Seelen gewesen, mit verirrten Gedanken und schmerzhaften Geschichten. Jeder von ihnen war von Mrs Hodgins behutsam in den Leseraum geführt worden, wie verletzte Vögelchen, die sie in ihr Nest setzte, bis sie wieder fliegen konnten.“ (Vanessa Göcking: Ms Atkins und die Bibliothek der Träume. Seite 138)

Was den eigentlichen Inhalt betrifft, führt die Geschichte nacheinander vier Charaktere aus vier Perspektiven ein. Doch anstatt in eine magische Welt einzutauchen, wartet man vergebens auf den Fantasy-Anteil. Die Bibliothek der Träume dient eher als blasses Beiwerk, während die Schicksale und aktuellen Lebenssituationen der Figuren im Vordergrund stehen – allerdings ohne echten Tiefgang. Viele Entwicklungen wirken konstruiert, etwa warum Amanda erst so spät Zugang erhält oder wieso man Geschichten liest, deren Inhalt man gerade selbst erlebt hat. Nach über der Hälfte des Buches wird es zunehmend frustrierend, wie sehr die Lesenden hingehalten werden: Man erfährt kaum etwas über die Bibliothek selbst oder über den Inhalt der mysteriösen Briefe. Zudem wirken Kernfragen unzureichend beantwortet, wie etwa die Hintergründe von Ms Atkins’ extremer Struktur trotz ihres liebevollen Vaters, Henrys genaue Rolle in der Bibliothek oder die Motivation der anderen beiden Personen, den geheimen Lesesaal aufzusuchen.

Das Ende wirkt im Vergleich dazu völlig gehetzt, als sollte die Geschichte nur noch schnell zu einem Abschluss gebracht werden. Die schwerwiegenden Probleme der Protagonisten werden zum Teil an einem einzigen Abend im Schnelldurchlauf erzählt, die Auflösung um den mysteriösen Schlüssel wird ebenfalls überstürzt abgehandelt. Auch der anschließende Epilog bietet nur eine sehr maue Erklärung zur Bibliothek der Träume.

Fazit

Mir fällt es immer schwer eine Rezension über ein Buch zu schreiben, das mich nicht überzeugen konnte. Auch die Sternevergabe tut mir seelisch weh, da ich weiß, wie viel Arbeit in einem Buch steckt. Mein Fazit fällt aber leider ernüchternd aus. Mich lässt das Buch enttäuscht und frustriert zurück. Wer hier Magie, eine faszinierende Welt und emotionalen Tiefgang erwartet, wird enttäuscht werden. Die versprochene Magie bleibt bloßes Beiwerk, die Päckchen der Charaktere wirken oberflächlich beleuchtet und der knappe Schluss kann die Schwächen des zu gewollten Schreibstils nicht mehr ausgleichen.

Vanessa Göcking
Ms Atkins und die Bibliothek der Träume
320 Seiten
ISBN 978-3-691-69002-6

*Vielen Dank an den Verlag und LovelyBooks für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.*

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