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Marie Desplechin & Magali Le Huche: Hexenkram – Grüna. Reprodukt, Berlin 2023

Hexenkrams, Familienchaos und eine Heldin mit eigenem Kopf

Manchmal erwarten Eltern etwas von ihren Kindern, das gar nicht zu ihnen passt. Genau damit muss sich Grüna auseinandersetzen. Sie stammt aus einer Hexenfamilie, hat aber ganz eigene Vorstellungen davon, wer sie sein möchte. Der Comic verbindet magische Elemente mit alltäglichen Familienthemen und erzählt dabei von Erwartungen, Eigenwillen und dem Wunsch, den eigenen Weg zu finden.

Die Autorin und die Illustratorin

Marie Desplechin wurde 1959 in Frankreich geboren und studierte Literatur sowie Journalismus. Sie hat zahlreiche Romane für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geschrieben. Ihr mehrfach ausgezeichneter Jugendroman Verte erschien erstmals 1996 und diente als Vorlage für die Comic-Adaption Grüna. Neben ihrer Arbeit als Autorin ist Marie Desplechin auch journalistisch tätig und schreibt Drehbücher.

Magali Le Huche wurde 1979 in Paris geboren. Nach ihrem Studium an der Kunsthochschule in Straßburg illustrierte sie direkt ihre ersten beiden Bilderbücher. Seitdem sind viele weitere Werke entstanden. Heute arbeitet sie für verschiedene Kinderbuchverlage sowie Zeitschriften und lebt in Paris.

© Reprodukt

Inhalt

Mit elf Jahren müsste Grüna eigentlich längst erste Hexenfähigkeiten zeigen. Doch davon ist bei ihr kaum etwas zu merken. Im Gegenteil: Grüna möchte lieber ein ganz normales Mädchen sein und interessiert sich viel mehr für die Jungen aus ihrer Klasse als für Kräuter, Zauberei und Hexenwissen. Selbst den Zaubertrank, den ihre Mutter zu Hause anrührt, um den Hund der Nachbarn zu vergiften, bezeichnet Grüna nur als „Suppe“. Für ihre Mutter ist das ein echter Schock, denn sie findet es wichtig, dass eine Hexe ihr Wissen an ihre Tochter weitergibt. Weil sie nicht mehr weiterweiß, schickt sie Grüna einmal in der Woche zu ihrer Großmutter. Diese soll ihr die Grundlagen der Hexerei beibringen. Schon nach der ersten Unterrichtsstunde zeigen sich erstaunliche Ergebnisse, die Grünas Mutter sogar übertreffen — vielleicht sogar mehr, als ihr lieb ist.

Gedanken zum Kindercomic

Schon das Titelbild macht neugierig auf den Comic. Es wirkt verspielt, verwunschen und mit viel Liebe zum Detail gestaltet – genau wie die Illustrationen im Inneren des Buches. Zwischen den vielen Pflanzen, kleinen Hexendetails und ungewöhnlichen Figuren gibt es einiges zu entdecken. Grüna steht neben Soufi selbstbewusst im Mittelpunkt, während ihre Mutter und Großmutter schon auf dem Cover sehr unterschiedlich wirken. Dadurch bekommt man direkt einen ersten Eindruck davon, dass es hier nicht nur um Hexerei geht, sondern auch um Familie, eigene Wünsche und darum, seinen Platz zu finden.

Die Geschichte hat mir gut gefallen, weil sie nicht einfach nur ein magisches Abenteuer erzählt. Hinter dem ganzen Hexenkrams steckt ein sehr alltägliches Thema: Grüna möchte selbst entscheiden, wer sie sein will. Ihre Mutter versucht dagegen, sie in eine Rolle zu drängen, die Grüna gar nicht ausfüllen möchte. Das sorgt für viele Konflikte, aber auch für Momente, die einen zum Schmunzeln bringen, weil manche Situationen ziemlich überspitzt wirken.

Grüna ist eine starke Hauptfigur. Sie weiß genau, was sie möchte und was nicht. Besonders schön finde ich, dass sie nicht einfach angepasst erscheint, sondern ihren eigenen Weg sucht. Ihre Mutter wirkt dagegen oft streng, abweisend und wenig verständnisvoll. Gerade weil sie eigentlich eine Vorbildrolle haben sollte, ist ihr Verhalten manchmal schwierig. Umso wohltuender ist die Großmutter, die viel liebevoller, gelassener und offener mit Grüna umgeht. Sie bringt frischen Wind in die Geschichte und nimmt Grüna so an, wie sie ist.

Die Sprache passt gut zu einem Comic für Kinder. Durch die Sprechblasen und die eher kurzen Texte lässt sich die Geschichte leicht lesen. Der Schreibstil ist direkt, lebendig und humorvoll. An manchen Stellen ist die Sprache etwas derber, vor allem bei Grünas Mutter. Das passt zwar zu ihrer aufbrausenden Art, macht aber auch deutlich, dass sie ihrer Tochter gegenüber nicht immer besonders feinfühlig ist. Insgesamt liest sich der Comic schnell und unterhaltsam, ohne oberflächlich zu wirken.

Auch die Illustrationen von Magali Le Huche tragen viel zur Wirkung bei. Sie sind verspielt, ausdrucksstark und voller interessanter Details. Die Figuren haben sehr markante Gesichtsausdrücke, sodass man ihre Gefühle sofort erkennt. Besonders schön ist die Mischung aus Alltag und Magie: Mal wirkt alles ganz normal, dann tauchen wieder kleine verwunschene Einzelheiten auf. Dadurch entsteht eine besondere Atmosphäre, die gut zur Geschichte passt.

Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse ein wenig, was dem Comic noch einmal viel Tempo gibt. Trotzdem bleibt der Kern der Geschichte klar: Es geht um Familie, Erwartungen, Geheimnisse und darum, sich selbst treu zu bleiben. Schön ist, dass Grüna und ihre Mutter am Ende doch noch einen Weg zueinander finden. Das wirkt nicht kitschig, sondern eher so, wie das Leben manchmal spielt: chaotisch, anstrengend, aber mit der Möglichkeit, einander besser zu verstehen.

Fazit

Hexenkram – Grüna ist ein eigenwilliger und liebevoll gezeichneter Kindercomic über ein Mädchen, das seinen eigenen Weg gehen möchte. Die Geschichte verbindet Hexerei mit ganz normalen Familienthemen und zeigt, dass man nicht in eine Rolle passen muss, nur weil andere es erwarten. Besonders gefallen haben mir die starke Hauptfigur, die verständnisvolle Großmutter und die vielen verspielten Details in den Bildern. Ein unterhaltsamer Comic für Kinder, die magische Geschichten mögen, aber auch Figuren mit Ecken und Kanten schätzen.

Marie Desplechin & Magali Le Huch
Hexenkram – Grüna
88 Seiten
ab 8 Jahren
ISBN 978-3-95640-372-9

*Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.*

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