Volker Schmitt & Màriam Ben-Arab: Alles auf Anfang. Kibitz Verlag, Hamburg 2026
Ein Leuchten in der Ödnis
Mit Alles auf Anfang erwartet uns hier eine packende Comic-Erzählung, die uns in eine atmosphärische, postapokalyptische Welt entführt. Im Mittelpunkt steht die mutige Protagonistin Elaia, die in einer zerstörten Ödnis nach Hoffnung und neuen Wegen für die Menschheit sucht. Das Buch besticht dabei nicht nur durch seine tiefgründige Botschaft über Zusammenhalt und Neuanfänge, sondern vor allem durch seine bildgewaltige visuelle Umsetzung.
Der Autor und die Illustratorin
Volker Schmitt ist ein in Hamburg lebender Drehbuchautor, Regisseur und Dozent, der sowohl eigene Kinoprojekte als auch TV-Auftragsproduktionen entwickelt. Nach einem Filmstudium und Theaterarbeit wurden seine Kurzfilme wie Nowherenow und Schattenlinie international ausgezeichnet. Neben seiner Lehrtätigkeit in Dramaturgie und Schauspiel veröffentlicht er zudem das von Màriam Ben-Arab gezeichnete Piraten-Kindercomic Zack! beim Kibitz Verlag.
Die in Barcelona lebende Illustratorin und Comiczeichnerin Màriam Ben-Arab studierte bildende Kunst und arbeitet erfolgreich für zahlreiche spanische sowie internationale Kinderbuchverlage. Im deutschsprachigen Raum illustrierte sie unter anderem erfolgreiche Buchreihen für Verlage wie Ravensburger und Ueberreuter. Zudem feiert sie Erfolge im Comic-Bereich, was sich in Auszeichnungen wie dem Cavall Fort Comic Prize und ihren aktuellen Veröffentlichungen Zack! und Kiste beim Kibitz Verlag zeigt.

Inhalt
Nach einem schleichenden, jahrzehntelang ignorierten globalen Zusammenbruch lebt Elaia mit ihrer Familie in einer zerstörten Ödnis. Jede Nacht durchstreift sie auf ihrer mutierten Ratte Momo die Ruinen, um nach brauchbarem Schrott und alten Pflanzensamen für das Gewächshaus ihrer Gemeinschaft zu suchen. Mit der Aufzucht dieses neuen Lebens schöpft die kleine Gruppe Hoffnung auf eine grünere Zukunft für die wüste Welt. Als Elaia jedoch bei einer Expedition den Zugang zu einem riesigen unterirdischen Gebäudekomplex entdeckt, bringt sie ihre Familie in große Gefahr und erschüttert ihr eigenes Weltbild im Kern.
Gedanken zur Science-Fiction-Graphic-Novel
Schon auf den ersten Blick zieht dieses Buch alle Aufmerksamkeit auf sich. Das Cover besticht durch seine kräftigen Lilatöne, die ein Zusammenspiel aus tiefen Schatten und hoffnungsvollem Licht erzeugen. Im Zentrum steht die Protagonistin Elaia zusammen mit ihrer mutierten Ratte auf einem Berg aus Schutt und Müll. Sie hält einen Leuchtstab in der Hand – und genau dieses Bild fängt ihr Wesen perfekt ein: Ihr ungebrochener Entdeckersinn sowie ihr Mut sind sofort spürbar.
Die Geschichte selbst ist ungemein packend und mitreißend geschildert. Zu Beginn werden wir behutsam an die Hintergründe herangeführt: Warum sieht die Erde so verheerend aus? Wie lebt es sich in dieser neuen Realität? Das Postapokalypse-Setting wird schnell greifbar. Die Dynamik ändert sich dramatisch, als Elaia ihr Heim in der Ödnis verliert. Sie flüchtet zu Freunden, die gemeinsam eine große Familie bilden – ein wunderschönes Element der Story, das zeigt, dass Familie nicht unbedingt auf Blutsverwandtschaft beruht, sondern auf Zusammenhalt und Vertrauen.

Ein riesiges Lob gebührt dabei der visuellen Umsetzung: Die Story lebt von ihren Zeichnungen. Oft bedarf es überhaupt keiner Worte, um der Geschichte zu folgen oder Elaias komplexe Gedanken und Gefühle zu verstehen. Ein bildgewaltiges, emotionales Comic-Erlebnis, das trotz aller Düsternis das Herz erwärmt!
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt für mich jedoch beim Worldbuilding: Wie genau Elaias treuer Begleiter, die Ratte Momo, mutiert ist, wird im Laufe der Handlung nur angedeutet, aber leider nicht weiter erklärt. Generell steckt so viel Potenzial in dieser Welt, dass ich mir durchaus hätte vorstellen können, eine ganze Reihe daraus zu machen. Ich hätte unglaublich gerne noch viel mehr über die Verwandlung der Ratte erfahren und tiefere Einblicke in das alltägliche Leben auf dieser zerstörten Erde gewonnen. So war es am Ende fast schon schade, wie schnell sich alles aufgelöst hat.
Dennoch entlässt das Buch die Leserschaft mit einem durchaus positiven Ausblick. Die Kernbotschaft hallt nach: Selbst in der ausweglosesten Situation kann man mit Herz und Verstand neues Leben erschaffen. Die nahezu tote Erde bekommt eine echte, neue Chance, sich im Einklang mit den verbliebenen Menschen weiterzuentwickeln.
Fazit
Alles auf Anfang ist für mich zwar kein absolutes Highlight, aber verdammt nahe dran. Trotz des etwas zu rasanten Finales und offener Fragen zur Mutation der Ratte überzeugt das Science-Fiction-Abenteuer durch seine emotionale Tiefe und die starke visuelle Kraft. Eine berührende Geschichte über Zusammenhalt und die Chance auf einen Neuanfang, die vor allem durch ihre ausdrucksstarken Bilder noch lange nachwirkt.
Volker Schmitt & Màriam Ben-Arab
Alles auf Anfang
184 Seiten
ab 8 Jahren
ISBN 978-3-948690-47-2
*Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.*
