Tania Witte: Marilu. Arena Verlag GmbH, Würzburg 2021

Über den Weg der Selbstfindung und Selbstakzeptanz!

Auf Marilu von Tania Witte habe ich mich schon sehr gefreut, nachdem ich erst vor kurzem Die Stille zwischen den Sekunden verschlungen habe. Auch mit Marilu hat es die Autorin geschafft, mich zu Tränen zu rühren, wenn auch auf einer ganz anderen Art und Weise, als es bei Die Stille zwischen den Sekunden war. Marilu kommt leise daher, hat aber auch unheimlich viele positive und humorvolle Szenen, die es dem Leser leichter machen, mit all den schwere Themen klar zu kommen. Es geht um psychische Erkrankungen, wie man sie erlebt, durchlebt, überlebt und wie die Gesellschaft damit umgeht. Ein wichtiges Buch, welches unbedingt den Weg in den Schulunterricht finden sollte.

Die Autorin

Tania Witte ist als Schriftstellerin, Journalistin und Spoken-Word-Performerin tätig. Ihre Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet: 2016 erhielt sie den Felix-Rexhausen-Sonderpreis für ihre journalistische Arbeit, 2017 den Martha-Saalfeld-Förderpreis für Literatur und 2019 den Mannheimer Feuergriffel für Jugendliteratur. Außerdem wurde ihre Arbeit mit einem Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds gefördert. Die Stille zwischen den Sekunden (2019) erhielt das KIMI-Siegel für Vielfalt im Jugendbuch. Ihr gerade frisch erschienener Roman Marilu (2021) wurde mit dem Mannheimer Feuergriffel ausgezeichnet.

© Arena Verlag GmbH

Inhalt

»Wenn ich ES jemals tue, geb ich dir die Kette zurück, Elli«, hatte Marilu geschworen.
Zwei Jahre später freut sich Elli auf ihren Schulabschluss und hat sowohl Marilu als auch den Schwur vergessen. Doch dann findet sie die Kette in der Post. Der beiliegende Brief ist ein Hilferuf – und der Startschuss zu einem fiebrigen Roadtrip. Die Spur, die Marilu gelegt hat, bringt Elli und Marilus Bruder Lasse an ihre Grenzen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt und allen wird klar: Marilu testet das Leben. Und Elli muss dafür sorgen, dass das Leben diesen Test besteht.“ (Klappentext)

Kritik und Fazit

Das Cover zeigt eine Straße die eine Kurve nimmt. Die verschwommenen Farbspuren machen ganz deutlich, dass es hier um einen rasanten Roadtrip geht. Alles muss schnell gehen, denn wenn Elli und Lasse zu langsam sind, kostet das vielleicht ein Leben. Während der Horizont schönes Sommerwetter verspricht, tummeln sich am Himmel darüber dunkle Wolken, was auf die schwere Thematik und Marilus Besonderheit hinweist.

Tania Wittes Schreibstil ist sehr flüssig und altersgemäß. Obwohl die Geschichte viele schwere Themen wie Depression, Burn-Out und Panikattacken behandelt, schafft die Autorin es, sehr oft einen positiven Ton anzuschlagen. Durch Rückblicke und tolle Dialoge der Charaktere wird sie Geschichte so nie zu schwer oder zu dunkel. Denn überall wo etwas Dunkles ist, da ist auch irgendwo Licht.

Die Charaktere sind mir im Laufe der Geschichte sehr ans Herz gewachsen. Elli und Lasse waren mir sofort super sympathisch. Mit Tom habe ich mich erst im Lauf der Geschichte angefreundet und Marilu, na sie ist einfach Marilu, die man sowohl lieb hat, als auch hin und wieder auf den Mond schießen möchte. So entstand eine äußerst mitreißende Geschichte, die ans Herz geht und tief berührt.

Während der Leser sofort mitten in die Geschichte geworfen wird, lernt er Stück für Stück die Geschichte um Elli kennen. Wie die Freundschaft mit Marilu entstand, was beide in die Klinik Sonnenblick geführt hat und wieso sie sich zwei Jahre, nachdem Elli die Klinik verlassen hatte, aus den Augen verloren haben. Doch Marilu setzt alles daran, Elli wieder in ihr Leben zu holen, ihr zu zeigen, was Leben für sie bedeutet und damit auch Elli die Augen zu öffnen. Sie zeigt ihr mit ihrer Schnitzeljagd, welche Fehler Elli in den vergangenen Jahren gemacht hat, gibt ihr Kraft sie selbst zu sein und die Lügen, die das Gerüst ihres Lebens darstellen, abzubauen. Auch wenn Marilus Methode wirklich extrem ist, so bewirkt sie damit ein Umdenken.

Marilu ist ein sehr berührender Jugendroman, der sich mit psychischen Erkrankungen auseinandersetzt. Tania Witte nimmt uns mit auf einen spannenden Roadtrip, mit einem sehr emotionalen Höhepunkt. Gleichzeitig ist sie wieder als Königin der halb-offenen Enden unterwegs. Denn wir erleben hier zwar einen angemessenen Abschluss, aber dennoch legt die Autorin uns nicht eine komplett abgeschlossene Geschichte vor. Das mag dem ein oder anderen vielleicht nicht gefallen, mich persönlich fasziniert es aber immer wieder. Hier bleibt Platz für eigene Vermutungen und Wünsche, gleichzeitig zeigt sie damit, dass alles möglich ist, wenn man sich einfach traut und sein Leben so lebt, wie es für einen selbst am Besten ist.

Tania Witte
Marilu
288 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-401-60588-3

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