Miriam Funk: Frauenkörper ticken anders. Warum eine geschlechtersensible Medizin notwendig ist. Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main 2025
Ein Blick auf den weiblichen Körper und seine Gesundheit
Wer sich fundiert mit dem weiblichen Körper auseinandersetzen möchte, ohne sich durch trockene Fachliteratur zu quälen, findet in Miriam Funks Werk Frauenkörper ticken anders den perfekten Begleiter. Es ist ein erfreulich schlankes und präzise geschriebenes Buch, das komplexe medizinische Zusammenhänge kurz und knapp auf den Punkt bringt. Damit erweist es sich als das ideale Einstiegswerk für alle, die verstehen wollen, warum eine geschlechtersensible Medizin heute wichtiger ist denn je. Durch meine Rezension zu Woman on Fire von Dr. med. Sheila de Liz beispielsweise bin ich bereits tief in die Materie eingetaucht. Miriam Funks Buch empfinde ich dabei als eine wertvolle Auffrischung und wichtige Erinnerung an die zentralen Anliegen der Frauengesundheit.
„Frauen sind keine weiblichen Männer.“ (Miriam Funk: Frauenkörper ticken anders. Warum eine geschlechtersensible Medizin notwendig ist. Seite 59)
Die Autorin
Miriam Funk (geboren 1975) ist Medizinjournalistin, Physiotherapeutin und Diplom-Übersetzerin. Sie arbeitet als Online-Redakteurin, Autorin und wissenschaftliche Lektorin mit den Schwerpunkten Frauengesundheit und Gesundheitspolitik. Miriam Funk lebt mit ihrem Lebensgefährten im Westerwald. Im Mabuse-Verlag veröffentlichte sie die Bücher Tabuthema Fehlgeburt, Ungewollt kinderlos – und jetzt? sowie Frauenkörper ticke anders.

Inhalt
Während Herzinfarkte bei Frauen oft andere Symptome zeigen als bei Männern, werden ihre Beschwerden im Arztgespräch noch immer häufig auf Hormone, Wechseljahre oder psychosomatische Ursachen reduziert. Doch Frauen sind keine medizinischen Rätsel – gezielte Diagnostik und geschlechtsspezifisches Wissen können lebenswichtige Therapien beschleunigen. Miriam Funk plädiert dafür, weibliche Gesundheit differenziert zu betrachten und Frauen zu ermutigen, ihre Bedürfnisse selbstbewusst einzufordern.
Gedanken zum Sachbuch
Das Cover kombiniert kräftige Rot- und Rosatöne mit einer dynamischen Frauen-Silhouette, die Wohlbefinden und Lebensfreude ausstrahlt. Die wasserfarbenartige Gestaltung nimmt dem Thema die medizinische Strenge und vermittelt stattdessen Natürlichkeit. Der weiße Kasten für den Titel setzt einen klaren Kontrast zum bunten Hintergrund und sorgt dafür, dass das Buch sofort als fundierter Ratgeber erkennbar ist. So gelingt eine gute Mischung: Das Cover wirkt einerseits lebendig und einladend, bleibt aber andererseits als fachliches Sachbuch seriös.
„Neben Maßnahmen wie einer verbesserten Schlafhygiene und Entspannungstechniken wäre es sinnvoll, gesellschaftlich darauf hinzuarbeiten, Frauen zu entlasten. Denn Mental Load lässt sich verteilen – wenn die Männer dazu bereit sind.“ (Miriam Funk: Frauenkörper ticken anders. Warum eine geschlechtersensible Medizin notwendig ist. Seite 46)
Das Buch bietet einen hervorragender Einstieg in die Welt der Gendermedizin. Die Autorin erklärt verständlich, was Gendermedizin überhaupt bedeutet und warum sie so essenziell ist. Besonders die Themen Gender Health Gap und Gender Data Gap werden anschaulich aufbereitet: Es wird deutlich, wie Forschung traditionell den männlichen Körper als Standard betrachtete und weibliche Bedürfnisse oft ausblendete – sei es bei der Erforschung von Krankheitsbildern wie COVID-19 aber auch bei typischen Frauenkrankheiten und den Wechseljahren.
Besonders bewegend sind die gesammelten Umfrageergebnisse im Buch. Auch wenn diese nicht als streng repräsentativ gelten mögen, zeichnen sie durch die starken Parallelen in den Aussagen ein erschreckend klares Bild. Themen wie Sexismus und Übergriffe in der Arztpraxis zeigen deutlich, dass Frauen nicht nur medizinisch, sondern auch auf zwischenmenschlicher Ebene im System oft nicht gehört oder ernst genommen werden.
Das Buch macht klar: Frauen müssen medizinisch gesondert betrachtet werden, selbst wenn der Zyklus die Komplexität erhöht. Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, dass Frauen gehört werden, ihnen geglaubt wird und sie ein Recht auf die volle Entscheidungsgewalt über den eigenen Körper haben.
„Dabei kosten uns die Wechseljahre auch wirtschaftlich einiges. Da Frauen mit Wechseljahrbeschwerden oft nicht ernst genommen werden, leidet ihre Lebensqualität sehr stark. Überall lesen wir Frauen, dass wir uns ab den Wechseljahren nur noch ein bisschen mehr bewegen und entspannen müssen, dann geht das alles schon. Idealerweise kommen diese Ratschläge natürlich von Männern.“ (Miriam Funk: Frauenkörper ticken anders. Warum eine geschlechtersensible Medizin notwendig ist. Seite 54)
Ein weiteres starkes Argument, welches das Buch liefert, ist der ökonomische Aspekt: Gendermedizin lohnt sich. Wenn Frauen eine bessere Versorgung erhalten und gesünder sind, profitiert die gesamte Gesellschaft. Zudem profitieren auch Männer davon, wenn Medizin differenzierter betrachtet wird – etwa beim besseren Verständnis von Psyche, Depressionen und Suizidprävention. Den Gendermedizin geht in beide Richtungen. Ein wichtiges Buch, das dazu ermutigt, für die eigene Gesundheit einzustehen.
Fazit
Frauenkörper ticken anders ist ein erneuter und notwendiger Weckruf für alle, die verstehen wollen, warum eine Einheitsmedizin für Männer und Frauen längst ausgedient hat. Die Autorin räumt dabei kompetent mit veralteten Standards auf und macht deutlich, dass eine geschlechtersensible Medizin keine Bevorzugung, sondern eine Frage der Gerechtigkeit und medizinischen Qualität ist. Damit ist es nicht nur ein informativer Ratgeber, sondern ein wichtiges Plädoyer für einen respektvollen, ernsthaften Umgang mit der weiblichen Gesundheit – sowohl in der Arztpraxis als auch in der medizinischen Forschung.
Miriam Funk
Frauenkörper ticken anders
Warum eine geschlechtersensible Medizin notwendig ist
133 Seiten
ISBN 978-3-8632-1652-8
*Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.*
