Fátima Rivera & Sole Verduga F.: Göttinnen. Kriegerinnen und Heldinnen der Antike. Leykam Verlag, Graz & Wien 2026
Irreführender Titel und sprunghafte Struktur
Ein Buch mit dem Titel Göttinnen und dem Zusatz Kriegerinnen und Heldinnen der Antike weckt große Erwartungen an ein starkes, feministisch geprägtes Werk über weibliche Figuren der Geschichte und Mythologie. Schade war jedoch, dass der Inhalt dieses Versprechen nur teilweise einlöst: Statt sich konsequent auf die angekündigten Protagonistinnen zu konzentrieren, werden gleichermaßen männliche wie weibliche Götter, Helden und Krieger behandelt. Wer eine Fokussierung der antiken Frauenwelt erwartet, bleibt nach der Lektüre daher leider mit einer gewissen Ernüchterung zurück.
Die Autorin, die Illustratorin und der Übersetzer
Fátima Rivera studierte Rechtswissenschaften sowie Journalismus und arbeitet als Professorin für Geschichte und Medienexpertin. Nach ihrem Buch Native Americans verfasste sie das im Leykam Verlag erschienene Werk Göttinnen. Kriegerinnen und Heldinnen der Antike, um geschichtlichen Frauenfiguren eine neue Perspektive zu geben.
Sole Verduga F. ist eine Illustratorin und Designerin aus Guayaquil, Ecuador. Sie lebt und arbeitet in Barcelona, wo sie unter anderem das Buch Göttinnen. Kriegerinnen und Heldinnen der Antike künstlerisch gestaltete. In ihren ausdrucksstarken Illustrationen erweckt sie mythologische und historische Frauenfiguren zum Leben.
Jay Uhlemann ist ein deutscher Übersetzer und Lektor, der sich auf Sachbücher sowie Kinder- und Jugendliteratur spezialisiert hat. Er überträgt Werke aus mehreren Sprachen ins Deutsche, darunter auch den im Leykam Verlag erschienenen Band Göttinnen. Kriegerinnen und Heldinnen der Antike.

Inhalt
Überall auf der Welt stehen immer wieder Frauen im Zentrum mythologischer Erzählungen. Da diese Geschichten jedoch meist von Männern verfasst und geprägt wurden, gerieten die Stärke und Bedeutung von Figuren wie Isis, Gaia oder Lilith oft in den Hintergrund. Dieses Buch will dazu aufrufen, die Mythologie aus einer neuen Perspektive zu betrachten und den gefürchteten wie gefeierten Frauenfiguren ihren rechtmäßigen Platz einzuräumen.
Gedanken zum Kindersachbuch
Das Cover ist einladend und modern gestaltet, fängt aber durch die Darstellungen der Göttinnen auch wunderbar altertümliche Aspekte ein. Der Titel fällt durch seine prägnante Größe sofort ins Auge und hat mich direkt neugierig gemacht. Ich mag feministische Sachbücher sehr gerne, die den Blick der Geschichte auf die Weiblichkeit lenken – denn Frauen sind in klassischen Geschichtsbüchern nach wie vor stark unterrepräsentiert.
Umso enttäuschender ist es, dass der Buchtitel meiner Meinung nach irreführend ist. Entgegen den Versprechungen stehen hier keineswegs die Göttinnen im Mittelpunkt, sondern die gesamte Götterwelt der Germanen, Griechen und Römer. Auch der Untertitel, der das Thema generell auf Kriegerinnen und Heldinnen der Antike erweitert, hält nicht, was er verspricht.
Strukturell war es für mich oft schwer einzuordnen, in welcher Mythologie wir uns gerade befinden. Besonders zu Beginn wird stark zwischen den griechischen, römischen und germanischen Figuren hin- und hergewechselt, bevor der Schwerpunkt scheinbar größtenteils auf den griechischen Mythen liegt. Vereinzelt stolpert man auch über seltsame Formulierungen – wie etwa der Beschreibung, im Olymp gäbe es eine Statue aus Gold, die mit Gold überzogen war.

Inhaltlich wird extrem viel auf engstem Raum angerissen: Die Entstehung der Götter, die Liebesgöttin, die Musen, das Totenreich sowie die Göttinnen der Gerechtigkeit, der Rache, des Schutzes und Mitgefühls. Weiter geht es mit dem Trojanischen Krieg, der Odyssee, den zwölf Aufgaben des Herakles und Verwandlungen von Menschen durch unzufriedene Götter bis hin zu Phänomenen rund um Feuer und Wasser. Sogar mythologische Tiere, Fabelwesen wie Vampire, Minotauren oder Grendel, ein sehr knapper Abschnitt über Hexen, Zauberinnen und Priesterinnen sowie wundersame Gegenstände und entfernte Orte finden Platz. Schließlich wird sogar der Bogen zur Moderne gespannt, in dem Bezüge von Superhelden wie Wonder Woman, Superman oder Aquaman zu antiken Figuren wie Achilles oder Poseidon hergestellt werden. All diese Beschreibungen fallen extrem knapp aus, wodurch ich durch den ständigen Themenwechsel große Schwierigkeiten hatte, mich auf die einzelnen Abschnitte einzulassen.
Ein klarer Pluspunkt des Buches sind jedoch die Illustrationen. Bunte Farben, klare Strukturen und eine tolle Dynamik zeichnen die Bilder aus. Wie schon auf dem Cover zeigen sie sehr schön und bildhaft, wie die einzelnen Heldinnen und Kriegerinnen ausgesehen haben könnten.
Fazit
Titel und Klappentext versprechen Göttinnen, Kriegerinnen und Heldinnen der Weltgeschichte, die endlich zu den Hauptfiguren gemacht werden. Genau das ist im Buch leider nicht passiert: Die weiblichen Figuren stehen keineswegs im Mittelpunkt, sondern sind lediglich Teil der einzelnen Geschichten – gleichberechtigt neben ihren männlichen Protagonisten. Ich hätte es mir viel schöner vorgestellt, wenn tatsächlich gezielt einzelne Göttinnen herausgegriffen und ihre Geschichten erzählt worden wären – gerne auch mit männlichen Nebenfiguren, aber eben mit den weiblichen Wesen im Fokus. So bleibt ein optisch ansprechendes Buch zurück, das inhaltlich leider an den eigenen Erwartungen vorbeigeht.
Fátima Rivera & Sole Verduga F.
Göttinnen
48 Seiten
ab ca. 6 Jahren
ISBN 978-3-7011-8410-1
*Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.*
