Sabine Bohlmann & Simona Ceccarelli: In meiner Welt. Thienemann, Stuttgart 2025
Ein liebevoller Blick auf die Vergänglichkeit
Wer sich mit Kinderbüchern zum Thema Tod und Abschied beschäftigt, stößt schnell auf Berührendes wie Der Tod auf dem Apfelbaum, Der Baum der Erinnerung oder Der Besuch vom kleinen Tod. Es sind Geschichten, die trösten und im Gedächtnis bleiben – und genau in diese Reihe schöner Buchschätze fügt sich nun auch Sabine Bohlmanns Bilderbuch In meiner Welt ein. Darin begleiten wir den kleinen Bruno und seinen Großvater bei einem philosophischen Gespräch über die Vergänglichkeit und den Schmerz des Verlierens. Dabei wird auf wunderbare Weise spürbar: Wer geliebte Menschen gehen lassen muss, behält doch all die kostbaren gemeinsamen Momente für immer im Herzen.
Die Autorin und die Illustratorin
Sabine Bohlmann wurde in München geboren und wollte als Kind Prinzessin werden. Sie wurde stattdessen Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin. Geschichten fliegen ihr Tag und Nacht zu, weshalb sie ununterbrochen dem Drang nachkommt, diese aufzuschreiben.
Simona Ceccarelli machte zunächst Karriere als Medizinalchemikerin bevor sie ihren Kindheitstraum verwirklichte und Illustration in San Francisco studierte. Seit 2016 gestaltet sie Bücher, Spiele und Produkte für Kinder. Mit ihrer Familie lebt sie in der Schweiz.

Inhalt
Wie erklärt man einem Kind die Vergänglichkeit des Lebens? Als der kleine Bruno darüber nachdenkt, warum Menschen sterben müssen, entwirft er voller Fantasie seine eigene Welt ohne Verluste. Doch die klugen und warmherzigen Gespräche mit seinem Großvater öffnen dem Jungen die Augen für die Schönheit des Lebens und lassen ihn erkennen, dass der Lauf der Dinge nicht zu ändern ist, die schönen Momente aber für immer bleiben.
Gedanken zum Bilderbuch
Schon das Cover stimmt wunderschön auf das Thema ein: Es ist in gemütlichen, warmen Brauntönen gehalten und strahlt etwas Herbstliches aus – was für mich auch den Lebensabend des Großvaters auf eine sehr sanfte Weise widerspiegelt. Wir sehen Bruno und seinen Opa Hand in Hand. Der Opa trägt einen Blumenstrauß, der Enkel ein Windrad in der Hand. Sie werfen einen dunklen Schatten vor sich her, auf dem der Titel in weißen Lettern geschrieben steht – fast so, als hätte man ihn mit einem breiten Pinsel und weißer Farbe direkt auf den Boden gemalt. Schon hier zeigt sich die Symbolik des Buches: Es gibt die Schattenseiten des Lebens, aber immer auch das Licht, das ihnen gegenübersteht.
In wenigen Worten und mit viel Liebe erzählt Sabine Bohlmann von Brunos Plänen für die Zukunft: Wenn er einmal groß ist, möchte er nämlich Welterfinder werden. Die großflächigen, farbenfrohen Illustrationen von Simona Ceccarelli begleiten die beiden auf ihrem Weg voller Helligkeit und Wärme. Ein tolles Detail: In der Mitte des Buches wendet sich die Ansicht einmal komplett – das bringt nicht nur eine überraschende Abwechslung beim Vorlesen, sondern sorgt auch für einen echten Aha-Moment.

Brunos Ideen für seine neue Welt sind im ersten Moment wunderschön: Niemand muss mehr sterben und um der Überfüllung vorzubeugen wird die Zeit einfach angehalten. Doch sein Großvater erklärt ihm in einem ganz ruhigen, freundlichen Ton, welche Schwierigkeiten diese Wunschwelten mit sich bringen würden. Würde niemand mehr sterben, gäbe es irgendwann nur noch alte Menschen, um die sich keiner mehr kümmern kann. Und würde die Zeit stillstehen, gäbe es keine Entwicklung mehr – alle würden auf ewig auf ihrem aktuellen Stand verharren, was doch unglaublich schade wäre. Auf ihrem Weg unterhalten sie sich sogar über Bäume und die Frage, woher diese eigentlich wissen, wann sie aufhören müssen zu wachsen.
Als die beiden nach einem Besuch im Blumenladen schließlich auf dem Friedhof am Grab der Oma ankommen, lenkt sich das Gespräch ganz direkt auf das Thema Tod. Bruno fragt seinen Opa ganz unverblümt, ob er nicht wütend auf den aktuellen Welterfinder sei, weil die Oma nicht mehr da ist. Die Antwort des Großvaters hat mich tief berührt: Er erklärt Bruno, dass er vor allem dankbar ist, all die vielen wunderschönen Jahre und Erlebnisse mit der Oma gehabt zu haben, und dafür, einen wunderbaren Enkel wie ihn an seiner Seite zu wissen. All diese geschenkten Momente wiegen am Ende einfach so viel mehr als der Schmerz, der auf den Abschied folgt.
Fazit
In meiner Welt ist ein herzerwärmendes, philosophisches Kinderbuch, das die großen Fragen des Lebens ohne Schwere angeht. Es tröstet, erklärt und nimmt Kindern auf liebevolle Weise die Angst vor dem Abschied. Eine absolute Empfehlung für alle, die ein besonderes Buch über den Lauf der Dinge suchen.
Sabine Bohlmann & Simona Ceccarelli
In meiner Welt
32 Seiten
ab 4 Jahren
ISBN 978-3-522-46259-4
