Roman

Alina Bronsky: Scherbenpark. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014

Das tragische Leben einer 17-jährigen, die versucht aus ihrem Leben auszubrechen.

Scherbenpark ist ein dramatisches und berührendes Werk über ein Mädchen, das die denkbar schlechtesten Vorraussetzungen für ein sorgenfreies und schönes Leben hat. Sie hat Schlimmes erlebt und das hat ihren Charakter geformt. Ein Mädchen, das mit 17 Jahren versucht ihr Leben in die Hand zu nehmen und Rache zu üben, an all jenen, die ihr Schmerz zugefügt haben.

Alina Bronski wurde 1978 in Russland geboren und wuchs auf der asiatischen Seite des Urals und später in Südhessen auf. Sie ist Texterin und Redakteurin, lebt in Frankfurt und debütierte 2009 mit ihrem Roman Scherbenpark. Ihr Debütroman war sehr erfolgreich und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Des Weiteren hat sie mit Spiegelkind (Arena 2014) ein lesenswertes Jugendbuch verfasst, dessen Fortsetzung unter dem Titel Spiegelriss 2015 erschien. 2010 erschien ihr Roman Die schärften Gerichte der tatarischen Küche, den ich bereits vorgestellt habe.

Die Autorin Alina Bronsky erzählt die Geschichte des Mädchens Sascha Naimann, welche von Moskau nach Deutschland kam und mit ihren beiden Geschwistern im sogenannten „Scherbenpark“ wohnt, ein Hochhaus-Ghetto mit eigenen Regeln. Sascha kümmert sich nicht um diese Gesetze und geht ihren eigenen Weg. Sie ist im Ghetto ausgegrenzt, da sie aufgrund ihrer Hochbegabung auf ein Elite-Gymnasium geht. Zwei Welten prallen hier aufeinander, denn ihre Mitschüler sind wohl behütete Kinder, die nichts von den Umständen im Scherbenpark wissen. Sascha berichtet ihre Geschichte. Sie erzählt, wie ihre Mutter und deren Freund vor ihren Augen von ihrem Stiefvater umgebracht wurden. Der Täter sitzt hinter gittern, doch Sascha möchte ihn tot sehen. Sie hegt seit langem einen Plan der Vergeltung. Als ein positiver Artikel über den Mörder ihrer Mutter erscheint, will sie sich damit nicht zufrieden geben und nimmt Kontakt zum verantwortlichen Journalisten auf. Es kommt so weit, dass sie bei ihm unter kommt und Gefühle sowohl für ihn, als auch für dessen Sohn entwickelt.

Der Schreibstil ist den Hintergründen der Geschichte angepasst. Sascha hat einen rauen aber selbstbewussten Ton. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und kommentiert alles, was ihr widerfährt. Ihre Verzweiflung aufgrund ihrer prekären Situation kommt authentisch rüber. Als Leser fiebert und leidet man mit Sascha mit, die es alles andere als leicht in ihrem Leben hat.

Ein berührendes Werk, dass einem zeigt, wie behütet man doch selbst groß werden durfte. Mich hat die Geschichte von Sascha gefesselt und auch wenn ich einige Reaktionen und Taten der Protagonistin nicht ganz nachvollziehen konnte, so zeigte mir dies nur noch mehr, wie verlassen und einsam Sascha doch in ihrer Welt ist.

Alina Bronsky
Scherbenpark
304 Seiten
ISBN 978-3-462-04150-7

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