Dr. Med. Aust-Claus & Dr. Dipl.-Psych. Hammer: Auch das Lernen kann man lernen. Oberstebrink, München 2015

Tipps für alle, die noch ganz am Anfang stehen

Schule kann ganz schön anstrengend sein. Nicht nur für die Kinder, auch ich als Mutter hadere oft. Ich möchte gerne helfen, weiß aber nicht immer so recht, welcher der beste Weg ist. Da liegt es nahe, sich mal das ein oder andere Buch zum Thema Lernen anzuschauen. Das Buch Auch das Lernen kann man lernen fiel mir auf der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr in die Hände und versprach laut Klappentext einige Infos parat zu haben. Leider konnte es mich nicht so recht überzeugen. Ich habe kaum Tipps daraus mit in unseren Alltag nehmen können und es war nicht so tiefgründig, wie ich es anhand der Beschreibung erwartet hatte. Für Eltern, die aber noch ganz am Anfang stehen und einen Schulverweigerer zu Hause haben, bietet es sicherlich dennoch die ein oder andere Anregung.

Die Autorinnen

Dr. med. Elisabeth Aust-Claus ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin sowie Systemische Familientherapeutin. Seit 1991 betreibt sie ihre eigene Praxis und hilft Kindern mit neurologischen Krankheiten und Entwicklungsproblemen. Ihre Schwerpunkte sind dabei Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsstörungen (ADS) sowie Teil-Leistungsstörungen. Sie ist Mitgründerin des OptiMind®-Institut.
Dr. Dipl.-Psych. Petra-Marina Hammer ist Diplom-Psychologin und Verhaltenstherapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie spezialisierte sich auf Schulleistungsstörungen und arbeitet seit 1992 in ihrer eigenen Praxis. Außerdem hält sie im In- und Ausland Seminare. Als Supervisorin und Dozentin bildet sie Kinder- und Jugendpsychotherapeuten aus. Auch im OptiMind®-Institut ist sie tätig.

© Oberstebrink

Inhalt

„Der Leistungsdruck wächst in unserer Gesellschaft. Viele Eltern sind verunsichert oder geraten in Panik, wenn ihr Kind nicht die gewünschten Spitzenleistungen nach Hause bringt. Andere beobachten, wie ihre Kinder sich stundenlang abquälen und doch nur wenig behalten und langsam vorankommen. Häufig ist die Ursache nicht mangelnde Begabung oder Aufmerksamkeit, sondern schlicht die falsche Lerntechnik. Oft helfen schon kleine Tricks, um den Kindern eine ganz andere Perspektive auf das Thema Lernen zu ermöglichen. Zum Beispiel mit einem motivierenden Punkteplan. Auch außerschulisches Lob hilft, das Selbstbewusstsein zu stärken und Freude am Erfolg zu entwickeln. Praxisnah und verständlich erfahren Eltern und Kinder hier alles über Lerntypen, Zeiteinteilung und die kleinen Kniffe, die das Lernen leichter machen. So erreichen Sie nachhaltig mehr Motivation in der Schule und mehr Spaß am Lernen.“ (Klappentext)

Kritik und Fazit

Auf dem Cover sieht man ein zufriedenes Kind zwischen einer Menge Fachbüchern. So wünscht man sich das wohl. Ein Selbstläufer, wo alles klappt und keine Schwierigkeiten aufkommen. Aber so läuft es wohl in den seltensten Fällen ab. Das Buch ist ein eher schlankeres Werk, welches gut strukturiert und in verständlicher Sprache geschrieben ist. Das recht glänzende Papier empfand ich dagegen als sehr anstrengend, denn die ständigen Spiegelungen erschwerten mir das Lesen.

Für mich, als jemanden, der sich auch so schon ein paar Gedanken gemacht und hier und da eigene Ideen umgesetzt hat, hielt das Buch leider kaum neue Infos bereit. Somit ist das Buch wohl eher etwa für vollkommene Neulinge, die allerdings eher Arbeitsverweigerer zu Hause haben, anstatt Kinder, die sich zwar bemühen aber dennoch hin und wieder scheitern oder eben einfach unheimlich viel Anstrengung investieren, um ans Ziel zu kommen.

Die im Buch beschriebenen Fallbeispiele sind eher klar und auf leichtem Wege zu lösen. Richtige tiefgängige Probleme kommen nicht zur Sprache. Auch die Psyche der Kinder – der Druck, der auf ihnen lastet – kommt viel zu kurz und hätte meiner Meinung nach viel mehr thematisiert werden müssen. Nicht alle Probleme lassen sich mit einem Punkteplan lösen. Was ist, wenn der Punkteplan zwar Anwendung findet, am Ende aber dann doch vom Kind boykottiert wird? Das Leben mit Kindern ist nunmal nicht so einfach, dass man als Eltern sagt, wie es laufen soll und die Kinder machen dies dann, um Punkte zu sammeln und dann vielleicht einmal etwas länger aufbleiben zu können.

Viel wichtiger wäre es doch, zu analysieren, weshalb ein Kind vielleicht morgens nicht rechtzeitig aufstehen kann. Was steckt dahinter? Der Punkteplan mit Belohnungssystem und Abzügen bei nicht Erfüllen ist für mich also eher eine Methode um Symptome aus dem Weg zu räumen, nicht aber um die Ursache zu ergründen. Die Autoren kratzen leider nur an der Oberfläche und das Buch eignet sich wohl eher für Familien, bei denn gar nichts klappt.

Auch das Lernen kann man lernen konnte mich nicht überzeugen. Es bleibt zu oberflächlich und bedient nur eine eingeschränkte Zielgruppe. Jemand, der sich noch gar keine Gedanken gemacht hat, wird hier vielleicht fündig. Hat man allerdings schon das ein oder andere ausprobiert und möchte seinem Kind einfach ein entspannteres Lernen und mehr Freude an der Schule ermöglichen, so wird man hier nicht fündig. Die versprochenen Lerntypen oder verschiedene Lerntechniken kommen außerdem nicht zur Sprache. Das Buch hält demnach nicht, was der Klappentext verspricht.

Dr. Med. Aust-Claus & Dr. Dipl.-Psych. Hammer
Auch das Lernen kann man lernen
160 Seiten
ISBN 978-3-9343-3352-9

*Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.*

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