Jenny Han: Der Sommer, als ich schön wurde. dtv (Reihe Hanser), München 2022

Ein tiefsinniger Reihenauftakt mit solider Verfilmung.

Auf die Reihe, deren ersten Teil ich euch heute vorstellen möchte, bin ich durch die Verfilmung aufmerksam geworden. Normalerweise versuche ich ja immer, zuerst die Buchvorlage zu lesen, bevor ich eine Verfilmung anschaue. Manchmal kommt es aber auch mal anders herum. So war es nun mit dem ersten Band der Reihe von Jenny Han. Der Sommer, als ich schön wurde handelt von der fast 16-jährigen Belly, die jeden Sommer mit ihrem Bruder und ihrer Mutter im Standhaus der Freundin und ihrer beiden Söhne verbringt. Die vier Kinder verbindet dabei eine innige Beziehung, mit Höhen und Tiefen und einigen Schwierigkeiten. Von klein auf kennen sie sich und wachsen zusammen auf, verlieben sich und erleben einiges zusammen. Die Serie hält sich dabei recht nah an der Buchvorlage, lediglich die Chronologie und eine zusätzliche Episode stimmen nicht ganz, was zu einer etwas veränderten Beziehung zwischen den Protagonisten führt. Mir haben sowohl die Serie, als auch das Buch gut gefallen. Wie immer aber ist das Buch besser.

Die Autorin

Jenny Han (geboren 1980) wuchs in Richmond, Virginia auf. Sie ist eine gefeierte Kinder- und Jugendbuchautorin. Bekannt ist sie auch durch Ihre Reihe To all the Boys, welche ebenfalls verfilmt wurde. Inzwischen lebt sie in New York City. Ihre Bücher sind Weltbestseller.

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Inhalt

„Es gibt diesen Augenblick, an dem man weiß, dass etwas zu Ende geht und etwas Neues beginnt und man nichts dagegen tun kann. Für Belly steuert in diesem Sommer alles auf diesen Moment hin.
»Ich kann’s nicht glauben, dass du wirklich hier bist.«, sage ich. Es klingt fast scheu, als er antwortet: »Ich auch nicht.« Dann zögert er. »Kommst du trotzdem mit?« Unfassbar, dass er noch fragt. Überall würde ich mit ihm hingehen. »Ja«, antworte ich. Außerhalb dieses einen Wortes, dieses Moments scheint nichts zu existieren. Es gibt nur uns. Alles, was in diesem Sommer geschehen ist, und in jedem Sommer davor, alles hat darauf hingeführt. Auf diesen Moment. JETZT.“
(Klappentext)

Kritik und Fazit

Auf dem Cover ist ein Strand abgebildet. Belly, Jeremiah und Conrad (die Darsteller der Verfilmung) rennen mit strahlenden Gesichtern über die Dünen. Die Neuauflage zur Verfilmung hat ein etwas größeres Format, als die beiden Folgebände, was etwas schade ist, wenn man sie sich jetzt schon in den Schrank stellen möchte. Zu den Veröffentlichungen der weiteren Serien, werden aber auch die Folgebände in Neuauflage und dann in gleicher Größe erscheinen.

Wie bereits oben erwähnt, ist die Serie dem Buch recht ähnlich, nur zeitliche Abfolge wurde verändert. Der Besuch der Freundin beispielsweise erfolgte in der Vergangenheit und auch die Beziehung zu Jeremiah ist nicht ganz so, wie im Buch. Das alles führte bei mir dazu, dass in der Serie Bellys Jungsgeschichten etwas sprunghaft und – sagen wir mal – vielfältig wirken. Im Buch ist das durch einen anderen chronologischen Ablauf anders dargestellt und schon geradliniger, nachvollziehbarer und erwachsener.

In der Geschichte steht im Zentrum, dass Belly körperlich zu einer jungen Frau herangewachsen ist und dadurch auch von den Jungs (nicht aber von ihrem Bruder) anders wahrgenommen wird. Da die Geschichte aus der Sicht von Belly erzählt wird, bekommen wir aber schnell mit, dass sie geistig bzw. emotional noch weit davon entfernt ist, eine erwachsene Frau zu sein. Dennoch entwickelt sie sich im Laufe dieses Sommers weiter, wird stärker, behauptet sich mehr und verlässt die Rolle des kleinen Mädchens, dass unter den Jungs oftmals nur geduldet wurde und sich immer bemühen musste, dabei sein zu können.

Erst Unvollkommenheiten machen Schönheit aus.

Jenny Han: Der Sommer, als ich schön wurde

Ich hatte immer ein wenig Probleme, das Alter der Protagonisten einzuschätzen. Am Ende habe ich es mir so erklärt: Belly ist 15 und wird im Verlauf des Sommers 16, Conrad ist 18, Jeremiah ist ca. 17, genau wie Steven, der allerdings älter als Jeremiah dabei jünger als Conrad ist. Alle vier sind vom Alter her also nicht weit voneinander entfernt, doch im Verlauf des Heranwachsens befinden sie sich natürlich immer mal wieder auf anderen Entwicklungsstufen.

Belly liebt die Zeit im Sommer, die sie mit ihrer erwählten bzw. erweiterten Familie in Cousins verbringen kann. Sie freut sich jedes mal aufs neue, wenn sie dorthin fahren. Gleichzeitig hat sie aber auch immer viel gelitten, sich immer wieder als Außenseiterin gefühlt und musste viele Neckereien und Gemeinheiten der Jungs ertragen. Das wird ganz deutlich, wenn man den Gedanken der Protagonistin folgt. Manchmal habe ich mich schon gefragt, wieso es sie dennoch seit so vielen Jahren immer wieder dorthin zieht. Die Liebe besonders zu einem der Jungs kann da nicht der Hauptgrund sein.

Der Sommer, als ich schön wurde ist ein schöner Roman über das Heranwachsen von Kindern zu jungen Erwachsenen. Auch ernste Themen werden behandelt, wie die Krebserkrankung der Mutter von Jeremiah und Conrad. Die Veränderungen, die im Plot bei der Serie unternommen wurden, führten bei mir eher dazu, dass ich Belly als viel unreifer empfunden habe, als sie es dann im Buch ist. Bei der Geschichte handelt es sich um eine leichte Sommerlektüre, die ich gerne gelesen habe und deren Verlauf ich in den Bänden Ohne dich kein Sommer und Der Sommer, der nur uns gehörte jetzt schon neugierig entgegenblicke.

*Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.*

Jenny Han
Der Sommer, als ich schön wurde
320 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-423-08676-9

Alle Bücher der Reihe

© dtv Verlagsgesellschaft 

Band 1:
Jenny Han
Der Sommer, als ich schön wurde
320 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-423-08676-9

© dtv Verlagsgesellschaft 

Band 2:
Jenny Han
Ohne dich kein Sommer
320 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-423-62567-8

© dtv Verlagsgesellschaft 

Band 3:
Jenny Han
Der Sommer, der nur uns gehörte
336 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-423-62581-4

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